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Der Spielmacher

Eine düster-groteske Novelle

Ein Junge, der das Feuer hütet.

Ein Himmelsbote mit sechs Monaten Verspätung.

Und eine Welt, die sich mit aller Gewalt reinwaschen will.

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Burschi ist ein folgsamer Junge zwischen acht und vierzehn Jahren – je nachdem, mit wem in der Nachbarschaft er sich prügelt. Gewissenhaft hütet er den Kamin im froststarren Berghaus, während unten im Tal das Siechtum umgeht. Wer sich schrubbt, so das Dogma der Dorfbewohner, bleibt verschont. Seife ist zur Währung des Überlebens geworden.

 

Doch die Erstarrung bricht auf, als ein riesenhafter Bote Gottes im Schnee steht und Burschis wahre Bestimmung einfordert: Der Junge ist kein Heilsbringer, sondern der Auslöser der Pest – geschaffen als himmlische Waffe, um das Böse an der Wurzel zu tilgen.

 

Auf einem nächtlichen Gewaltmarsch hinter die Mauern einer fremden Stadt gerät die göttliche Mission jedoch schnell außer Kontrolle. Zwischen rabiaten Wächtern, trügerischer Gastfreundschaft und monströsen Kreaturen muss Burschi erkennen, dass sein Begleiter nach ganz eigenen Regeln spielt – und dass manche Schuld sich mit keinem Wasser der Welt abwaschen lässt.

 

Eine pechschwarze, kafkaeske Novelle über verkehrte Heilsversprechen, vererbte Schuld und die fatale Illusion absoluter Reinheit.

Edition »ex negativo«

 

Manchmal lässt sich das Wesen einer Sache erst dann begreifen, wenn man ihren Gegenentwurf betrachtet. Die Philosophie kennt dafür das Verfahren der Bestimmung ex negativo: Ein Begriff wird nicht durch das definiert, was er darstellt, sondern durch das, was er ausschließt. Im Negativ wird die Kontur des Positiven sichtbar; das Licht offenbart sich erst an der Härte des Schattens.

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Die Edition ex negativo überträgt diesen Gedanken auf die Erzählliteratur.

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Die Bände dieser Reihe widmen sich nicht den harmonischen Glättungen des Alltags, sondern den Bruchstellen zwischenmenschlicher Ordnung. Sie versammeln düster-groteske Novellen, Parabeln und Gedankenexperimente an den Schnittstellen von Social Horror, Satire und Weird Fiction.

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Es sind Geschichten über Systeme, die nach scheinbar unumstößlicher Logik funktionieren – und genau darin ihren Wahn entfalten. Sie erzählen von hysterischem Reinheitswahn und verkehrten Heilsversprechen, von der zynischen Ausbeutung kindlicher Loyalität, kosmischen Marionettenspielen und jener erbarmungslosen Konsequenz, mit der verdrängte Schuld ihre Schöpfer wieder einholt.

 

Die Texte dieser Edition verzichten bewusst auf episches Beiwerk. Sie suchen die radikale Verdichtung der klassischen Novelle: eine unerhörte Begebenheit, ein straffer Spannungsbogen, ein unerbittlicher Zirkelschluss. Es geht nicht um die bequeme Ausdehnung eines Plots, sondern um die Destillation einer Idee bis auf ihren existentiellen Kern.

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Wer diese Geschichten liest, betritt eine Welt der verzerrten Spiegel. Sie erteilen keine moralische Belehrung, sondern fordern den Mut zum Blick in den Abgrund – um auf der Kehrseite des Absurden vielleicht zu erahnen, was Menschsein, Autonomie und Würde eigentlich bedeuten.

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