top of page

Ungefähr 30.000 Lichtjahre vom einstigen Ausgangspunkt der menschlichen Koloniebewegung entfernt liegt der Stern Alpha-8 und bildet das größte und wichtigste Macht- und Handelszentrum im Koloniesystem H. Dem untergeordnet sind diejenigen Sterne im Quadranten H, die für eine Kolonisierung geeignete, terrestrische Planeten besitzen.

H-36 ist ein solcher terrestrischer Kolonieplanet. Mit einem Durchmesser von rund 7.000 Kilometern bewegt er sich auf einer elliptischen Umlaufbahn um sein Zentralgestirn Alpha-83. Rotationsperiode, Jahreszeiten sowie Klima- und Vegetationszonen entsprechen, aber auch bei nahezu allen anderen Kolonieplaneten, annähernd dem ursprünglichen menschlichen Habitat.

Kolonisierung und Rohstoffabbau beginnen auf H-36 vor hundertfünfzehn Jahren. Dem anfangs beträchtlich angenommenen Rohstoffpotenzial an seltenen Metallen verdankt der Planet seinen inoffiziellen Beinamen «Hope» oder auch «Hope-36». Anders als erhofft, sind jedoch die tatsächlich wirtschaftlich ausbeutbaren Mineralien für größere Lagerstätten kaum existent. Die weit unter den Prognosen liegende Gewinnung erfolgt als vernachlässigbares Nebenprodukt beim Abbau anderer, stärker konzentriert vorliegender Rohstoffe.

Die ältesten und größten Städte auf H-36 sind heute auf zwei- bis dreihunderttausend Einwohner angewachsen und, genau wie die umliegenden Regionen, stark durch die Industrialisierung geprägt.

Die durch Industrie geprägte Stadt Neu Nancy liegt am Rande der größten Berylliumerz-Lagerstätte auf H-36. Mit Beginn der Kolonisierung und des Rohstoffabbaus vor mehr als hundert Jahren entsteht auch die ursprüngliche Werkssiedlung «Nancy» mit circa fünfzig Wohnungen. Bis heute ist Neu Nancy auf eine Viertelmillion Einwohner angewachsen und die älteste und größte Metropole der Konnoh-Region.

Bis zu einem katastrophalen Unfall auf dem Vemen-Werksgelände in der Mitte des ersten Jahrhunderts war der Zugang zum Abbaugebiet unterirdisch eingerichtet und lag im Zentrum von Neu Nancy. Heute sind diese Stadtsektionen aufgrund ihrer Toxizität nur noch eingeschränkt passierbar.

Humanoide Roboter stellen seit Beginn der Kolonisierung von H-36 ein wesentliches gesellschaftliches Element dar. Bis heute werden sie nicht nur in vielen lebensfeindlichen Arbeitsbereichen eingesetzt.

Jax Halen: anständig angefangen, dann Schnüffler. Die Fähigkeit, hinter die Dinge zu blicken, tiefere Zusammenhänge zu erkennen, ist nicht zuletzt der Garant, einen weiteren dreckigen Tag in der Neuen erleben zu können. Ob das an diesem Ort erstrebenswert ist, steht auf einem anderen Blatt.

Jax liest in anderen wie in einem offenen Buch. Durchschaut sie alle, früher oder später. Deckt gnadenlos auf, wo dreckig gespielt wird. Er ist ein Mann der Tat, legt, wenn es sein muss, die Finger genau in die eitrige, ekelhafte Wunde. Oder in das ein oder andere Gesicht.

Sein Bauchgefühl, auf das er sich hundertprozentig verlassen kann, macht keinen Hehl daraus, was richtig ist und was nicht. Ob das an diesem Ort immer so eindeutig voneinander zu trennen ist, steht ebenfalls auf einem anderen Blatt – auf der Rückseite, ganz unten, kleingedruckt.

Vor allen anderen merkt Jax, wenn Gefahr droht. Nur seine übrige Natur verleitet ihn von Zeit zu Zeit auf Abwege, denn das Leben auf Hope hat ihn anders gestrickt: Ein Schlag in die Fresse bringt ihn meist weiter als tausend weise Worte. Das ist Jax. Zudem könnte man ihn als entschlossen und konsequent beschreiben – vielleicht ist er aber auch nur ein sturer, schwer zu beeindruckender Penner.

Elegant, bunt schillernd und in allem gut ausgestattet: Ophelia Élodie Paradis – kurz: Madame – ist eine Frau, die mit ihrem Namen all das zum Ausdruck bringt, wofür ihre Mädchen stehen. Oder knien. Oder liegen. Je nach Vorliebe.

Ihre Etablissements sind über die gesamte Neue verteilt. Dabei gibt es die guten Läden, vorrangig in den guten Gegenden, und die besonders guten Läden in den anderen Gegenden. Der Unterschied zwischen gut und besonders gut bleibt dabei – wie alles im Leben – ebenfalls eine Frage der persönlichen Vorliebe.

Madame kann es nicht ausstehen, wenn man sich an ihrem Eigentum vergeht, ohne dafür zu bezahlen, versteht sich. Sie ist Geschäftsfrau, und – kaum verwunderlich – sie hasst es, wenn das Geschäft ins Stocken gerät.

bottom of page